Unsichtbar in Wald und Flur

Also ganz ehrlich gesagt, eigentlich braucht niemand den Ghillie-Anzug (engt -Suit), den die Firma Enforcer (Hahnenstraße 20, 76698 Ubstadt-Weiher, Tel 07251/9 65 10, Fax 07251/96 51 14) für 348 Mark anbietet. Ursprünglich für militärische Scharfschützen entwickelt, haben hierzulande im zivilen Bereich allenfalls Ornithologen, Papparazzi und Spanner für das Teil Verwendung. Zwar könnten ihn auch Jäger gut gebrauchen, aber wer im Fetzenlook auf einer Gesellschaftsjagd erscheint, dürfte sich ziemlich isoliert finden. Von der Gefahr, von einem Jagdhund angepinkelt zu werden, gar nicht zu reden. Trotzdem macht der Tarnlook eine Menge Spaß: beim Erschrecken von Kolleginnen, in der Disco oder beim Fasching als Kostüm "Buschwindröschen".

Von Sven Helmes

Der Anzug setzt sich aus Hose mit Gummibund, Jacke mit Druckknöpfen, fingerlosen Handschuhen und einer Kopfhaube zusammen. Das Ganze wird über die normale Kleidung gezogen. Diese sollte jedoch keine Schockfarben haben, denn der Suit besteht aus einem olivfarbenen Nylonnetz im Stil eines Fliegengitters.

Darauf sind zackig ausgeschnittene Fetzen aus Nylon genäht. Deshalb verweist die Waschanleitung auch darauf, daß die Kleidung nicht brennt, sondern schmilzt — aber wer will sich schließlich auch als Waldbrand tarnen?

Der Vorteil der Netzkonstruktion ist ihre Luftdurchlässigkeit. Auch bei körperlichen Anstrengungen leidet der Träger nicht unter einem Hitzestau wie ein Test im heimischen Wald bewies. Befürchtungen, daß Dornen und Äste dem Netz ein baldiges Ende bescheren würden, bewahrheiteten sich auch nicht: Das Gewebe hielt selbst groben Zerreißproben stand. Ganz ausgezeichnet ist die Tarnwirkung des Suits: Bereits auf wenige Meter Entfernung verschmilzt der Träger mit seiner natürlichen Umgebung — kein Wunder, daß sich schon mehrere US-Luftlandeeinheiten mit dem Ghillie ausgerüstet haben. Auch Einzelkämpfer der Bundeswehr benutzen das Teil, sie mußten sich die Tarnung jedoch privat beschaffen.

VISIER 9/1996


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