Stille Scheunen...

Klar, der Mann war ein wenig wunderlich. C. Bremner Hogg Jackson lief zeitlebens mit einem Hut aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg auf dem Kopf herum. Er besaß einen Schießstand im eigenen Keller und aus Langeweile feuerte er von Zeit zu Zeit hinter seinem alten, großen Landhaus seine Kanone ab. Natürlich erst, nachdem er seine Nachbarn, die Familie Slack, telefonisch gewarnt hatte, daß es nun ein wenig lauter werden würde.

Was in Deutschland für eine Einweisung in die Irrenanstalt reichen würde, galt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten als harmlose Marotte. Die Einwohner von Forrest Grove, einem verschlafenen Städtchen, ahnten, daß Jackson wohlhabend war. Er bezahlte dem Jungen, der seinen Pool (in welchem der Exzentriker seine Modellboote schwimmen ließ) reinigte, schon mal 100 Dollar — aber Freigiebigkeit schadet keinem.

Schon gar nicht dem Smithsonian National Museum für amerikanische Geschichte. Denn als Jackson 1980 starb, erhielten die Museumsleute einen Anruf, Jackson habe ihnen seine Waffen- und Militariasammlung vermacht. In der Annahme, es handele sich um unbedeutende Stücke, ließ sich Craddock Goins, der Kurator der Waffensammlung Zeit. Erst Monate später begutachtete er Jacksons Sammlung.

Und was er sah, ließ ihm fast die Augen aus dem Kopf fallen. "Ich bin nicht leicht zu beeindrucken, aber als ich sah, was Jackson besaß, konnte ich nicht glauben, daß ein einzelner Mensch all das zusammen getragen hatte." Denn Goins fand in Jacksons alter Scheune eine Sammlung von über 3700 Exponaten aus allen Epochen vor. Es gab einen Napoleonischen Raum, einen mit Exponaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg und einen mit Ausrüstungsteilen der deutschen kaiserlichen Armee.

Goins entdeckte Blankwaffen und Kanonen, eine ausgezeichnete Bücherei sowie eine Restaurationswerkstatt, welche sich hinter der des Smithsonian nicht zu verstecken brauchte. Und alles war peinlich genau inventarisiert. Denn Jackson sammelte systematisch. Er war keiner, der wahllos aus den Katalogen orderte, sondern er suchte sich seine Stücke sorgfältig aus.

Viele Teile der Sammlung verleibte sich das Smithsonian ein, von anderen trennt es sich nun. Ob aus Geld- oder Platzmangel, oder weil die Stücke bereits vorhanden waren, weiß keiner so genau. Auf jeden Fall sind die Sammler in aller Welt nun die lachenden Dritten: Hunderte von Waffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen aus allen Epochen kommen beim US-Auktionshaus Butterfield & Butterfield am 15. und 16. Oktober '96 unter den Hammer. Deutsche Interessenten wenden sich telefonisch an Maria Nestel v. Eichhausen (089/3 08 61 24).


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