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Dem Ingenieur ist nix zu schwör

Der Frankfurter Peter Abel tunt Großkaliber- und Druckluftwaffen. Kein Wunder, daß der Mann nie Zeit hat.


Letzte Änderung am Dienstag, 30. Oktober 2007 um 13:34:04 Uhr.


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Fette Beute

Schwergewicht: Der massive gehämmerte Lauf stellt bei Ruger eine Neuheit dar und erinnert an die Rohre von Steyr. Das 1550 Gramm schwere Teil ruht in einem Schichtholzschaft.

Von Sven Helmes

We
nn ein amerikanischer Teenager von 16 Jahren unter dem Weihnachtsbaum ein schlankes, langes Paket findet, hält sich seine Überraschung meist in Grenzen. Schließlich weiß er nur zu genau, was es enthält: sein erstes eigenes Kleinkalibergewehr. Speziell in den ländlichen Regionen der USA gehört die 22er noch immer zum Er wachsenwerden, wie der erste schüchterne Kuß. Doch während die "große Liebe" fast monatlich wechselt, bleiben viele ihrem ersten Gewehr ein Leben lang treu.

Eines der beliebtesten Modelle für den Gabentisch stellt Rugers 10/22 dar. Im Jahr 1964 vorgestellt, nähern sich die Verkaufszahlen des Halbautomaten mittlerweile der magischen Zwei-Millionen-Grenze. Der gutsortierte US-Fachhandel kann jeden noch so ausgefallenen Wunsch erfüllen; vom 30-Schuß-Magazin über den Camo-Klappschaft ä la Dragunov bis hin zu edlen Tuning-Teilen und Matchläufen — alles scheint machbar. Mittlerweile beschäftigen sich auch jenseits des großen Teichs eine Menge Tüftler, Tuner und Zulieferer mit dem Gewehrchen. Doch die Amis zeigen sich bislang am Export wenig interessiert, zumal viele Zubehörteile in Deutschland verboten sind. Deshalb vergnügten sich deutsche Plinking-Freunde bislang mit Waffen von der Stange. Oder sie schlachteten ihr Sparschwein und griffen zum getunten KK-Präzisionsgewehr Briley 10/22 Super Match, das beim Sauer Cu-stom Shop in Kempen 2390 Mark kostet (Test: 10/95).

Aber jetzt lockt Frankonia mit einer Geldbeutel-schonenden Alternative. Für nur 999 Mark kann der KK-Liebhaber das Ruger 10/22 T (für Target) nach Hause tragen. Es wiegt mit 3510 Gramm über ein Kilo mehr als die Grundversion, woran in erster Linie der dicke Lauf schuld ist. Ruger läßt die kaltgehämmerten Rohre im eigenen Unternehmen fertigen, wofür die benötigte Anlage eigens vom österreichischen Maschinenhersteller GFM geordert wurde.

Und der Dickmann verwöhnt mit einigen Vorteilen: Er schwingt im Schuß weniger und leitet dadurch das Geschoß sicher ins Ziel. Außerdem läßt sich ein richtig massives Rohr kaum von einem anliegenden Schaft beeindrucken. Daß ein so kompakter Lauf auch die entstehende Hitze schneller ableitet, ist für Großkaliber-Schützen interessant, spielt beim KK-Gewehr aber keine große Rolle. Wichtiger ist dagegen sein gutes Handling, das 10/22 liegt insbesondere im freihändigen Anschlag wesentlich ruhiger als sein schlanker Bruder.

Einfach und wirkungsvoll: Zwei Schrauben fixieren den Keil auf dem rampenartigen Vorsprung. Die obere Zacke greift in eine Nut im Lauf und drückt das Rohr gegen das Verschlußgehäuse.

Für den Test diente als Zielhilfe ein Leupold Vari-X III-Zielfernrohr von Leupold mit 3,5 bis lOfacher Vergrößerung, das ohne Klemm-Montage rund einen Hunderter mehr als die Büchse kostet. Es wurde mit der Ruger-üblichen 11 -mm-Prismenschiene mit 115 mm Länge auf der Gehäuseoberseite befestigt Wie üblich ärgerten sich die Tester über das Serien-Magazin, das sich durch seinen kurzen Magazinhalter nur umständlich aus dem Schacht fummeln läßt. Außerdem verliert man beim Ausschäften leicht den Haltestift des Magazinlöseknopfes. Der ab Werk überarbeitete Direktabzug brach bei 1500 Gramm. Leider stand er nicht trocken, sondern löste erst nach einem deutlich kriechenden und schwammigen Weg aus. Der Rückstoß war kaum zu spüren, die Masse des inklusive Optik 3510 Gramm schweren Gewehrs fing die geringe Energie der KK-Patrone fast vollständig ab.

Sein bestes Ergebnis erzielte der Newcomer, von der Benchrest-Auflage geschossen, mit der Matchpatrone Eley Tenex, die sehr gute Fünf-Schuß-Gruppen um 15 Millimeter plazierte. Eine Leistung, mit der das 10/22 T selbst neben einschüssigen Matchbüchsen besteht. Auch die RWS R 50 überzeugte mit 18 mm, genauso wie die RWS Rifle Match und die preiswerte SK Standard mit jeweils 19 mm. Die restlichen Trefferbilder lagen zwischen 20 und 30 mm. Am schlechtesten traf die Hochgeschwindigkeitspatrone PMC Zapper mit einer Fünfer-Gruppe von 48 mm; das Briley kam vor einem Jahr besser damit klar.
Im Vergleich Ruger Target mit Briley/Ruger schaffte das Ruger geringfügig größere Schußbilder. Der durchschnittliche Streukreis von zehn aus beiden Gewehren getesteten MunitionsSorten betrug beim Briley 16,4 Millimeter, das Ruger Target kam auf immer noch sehr beachtliche 24,4 mm. Ohne die großen Streukreise der PMC Zapper wäre der 22/10 T jedoch besser weggekommen.

Auf jeden Fall erwies sich das Target als deutlich munitionsfühliger. Vielleicht lag es daran, daß der Schaft am vorderen Ende auf den Lauf drückte, während das Rohr der Konkurrenz frei schwingen konnte. Das dürfte jedoch noch nicht alles sein, da Briley den Serienverschluß durch einen Eigenbau ersetzte. Präzision, sondern überzeugt auch mit seinem griffigen, verlängerten Magazinhalter. Ebenso tragen der Abzug mit Triggerstop und der gut liegende Lochschaft zur Überlegenheit des Briley bei. Schwaben, Schotten und andere sparsame Schützen ziehen zukünftig aber bestimmt das Ruger 10/22 T als preiswerte Alternative in Betracht, zumal sich dessen Leistung und Handling mit etwas Bastelarbeit verbessern läßt.

So dürften ein paar Blatt Schmirgelpapier ausreichen, um den dicken Lauf frei im Schaft schwingen zu lassen. Auch eine ergonomischere Verlängerung des Magazinhalters dürfte kein Problem darstellen. Und wer noch ein paar Mark erübrigen kann, trägt sein Gewehr zum Büchsenmacher und läßt den Abzug ein wenig pflegen.